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Uganda - Ruanda - Juli/August 2009

Eine Reise zu den Berggorillas - den sanften Riesen der Virungavulkane

Fotos zu diesem Reisebericht finden man hier

 

 

Uganda und Ruanda ... ehrlich gesagt erntet man kein zustimmendes Kopfnicken, wenn man erzählt, dass man vorhat, dorthin eine Reise zu unternehmen. Die meisten Menschen verbinden mit diesen Ländern Krieg, Rebellen, Völkermord, Unruhen und Gefahr. Das Ziel unserer Reise war allerdings auch nicht, die Zustimmung der Leute zu bekommen, sondern einen lang gehegten Traum wahr werden zu lassen, nämlich die Berggorillas - die letzten ihrer Art - in freier Wildbahn zu beobachten. Berggorillas sind, wie leider so viele Arten auf unserem Planeten, vom Aussterben bedroht. Es gibt zurzeit nur noch etwa 720 Tiere, verteilt auf die Länder DR Kongo, Ruanda und Uganda. Bezüglich der Vorurteile, die die meisten Menschen gegen Uganda und Ruanda haben, sei erwähnt, dass das Reisen in diesen Ländern als sicher gilt und sich beide Länder in einem fortschreitenden Stabilisierungsprozess befinden.

Uganda ist ein Binnenland in Ostafrika, das im südlichen Landesdrittel vom Äquator durchzogen wird. Es grenzt an die Länder Sudan, Kenia, Tansania, Ruanda und DR Kongo. Den größten Teil des Landes bildet die einheitliche hügelige Hochfläche des kristallinen afrikanischen Sockels auf 1000-1500 m Höhe. An der Westgrenze läuft das Kluftsystem des zentralafrikanischen Grabenbruchs, im Südwesten erheben sich die Ausläufer der Virunga-Vulkane (Höhen bis 4127 m) und im Westen liegt das Ruwenzorigebirge mit dem dritthöchsten Berg Afrikas, dem Margherita mit 5109 m Höhe. Etwa die Hälfte des Viktoriasees nimmt die Südostecke Ugandas ein. Im Norden und Nordosten liegen das Acholi-Plateau und die Karamoja-Ebene. In Uganda herrscht ein ausgeglichenes tropisches Klima, das durch die Höhenlage abgemildert ist.

Ruanda erlangte 1994 durch die Kriegsgeschehnisse, den Völkermord und die nachfolgende Flüchtlingskatastrophe traurige Berühmtheit. Außerdem wurde es in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts durch Dian Fossey bekannt, die sich für den Schutz und den Erhalt der letzten Berggorillas einsetzte und in den Virunga-Vulkanen ihre Forschungsstation Karisoke gründete. Ohne die Arbeit Dian Fosseys gäbe es heute keine Berggorillas mehr.

1. Tag - Flug nach Entebbe (Uganda)

Wir starten unsere Reise am 23.07.2009 um 3.30 Uhr morgens. Das Flughafentaxi bringt uns mit 3,5 Stunden Zeitpuffer zum Flughafen Nürnberg. Sicher ist sicher, auf weniger Zeit hat sich das Taxiunternehmen nämlich nicht eingelassen. Wider Erwarten erreichen wir in einer knappen Stunde den Flughafen. Zum Glück können wir das Gepäck gleich bis zum Zielflughafen aufgeben, so dass wir in Brüssel nur in die Maschine nach Entebbe umsteigen müssen. Die schwere Kameraausrüstung bleibt mir allerdings als Handgepäck. Nachdem wir unsere beiden Taschen aufgegeben haben, verbringen wir die Zeit bis zum Abflug um 7.00 Uhr schlafend auf den Wartebänken. Die Flugzeit nach Brüssel beträgt 1,5 Stunden. Den Aufenthalt dort nutzen wir für ein kleines Frühstück, bis um 11.15 Uhr unser Flugzeug mit Ziel Entebbe mit 35 Minuten Verspätung die Startbahn verlässt. Da wir einen Umweg mit Zwischenstopp und 1 Stunde Aufenthalt in Kigali (Ruanda) in Kauf nehmen müssen, wird die Reise noch ca. 11 Stunden dauern. Im Flugzeug befinden sich mehr schwarze als weiße Personen, wodurch sich schon erahnen lässt, dass Uganda und Ruanda nicht gerade die Standardziele des gemeinen europäischen Touristen sind. Es sind einige schwarze Babys und Kleinkinder an Bord, von denen während der gesamten Reisezeit nicht ein einziges Mal etwas zu hören ist, vielleicht kommt das daher, dass sie die erste Zeit ihres Lebens immerzu an Bauch oder Rücken gebunden getragen werden. Gegen 22.15 Uhr Ortszeit landen wir mit knurrendem Magen in Entebbe. Brüssel Airlines bietet verschiedene Arten vegetarisches und ein veganes Essen an. Wir haben über unseren Reiseveranstalter Colibri vegetarisches Essen bestellt, bekommen haben wir aber veganes Essen, das mengenmäßig mehr als dürftig war.

Am Flughafen treffen wir auf unseren Driverguide Ivan, der uns und die drei anderen Reiseteilnehmer in ein nahe gelegenes Gästehaus bringt. Unsere drei Mitreisenden sind Kerstin und Manfred, ein Paar aus Mainz und Werner, ein Lehrer aus Hamburg. Im Gästehaus angekommen, werden wir von einem Wachmann mit einem sehr altertümlichen Gewehr auf dem Rücken begrüßt. Um unsere knurrenden Mägen vor dem Schlafengehen etwas zu besänftigen, essen wir noch einen sehr leckeren warmen Schokokuchen und fallen dann todmüde ins Bett.

2. Tag - Fahrt nach Fort Portal 

Beim Frühstück auf der Terrasse beobachten wir Papageien in den Bäumen, langsam kommt Safaristimmung auf und wir brennen darauf, dass die Reise endlich los geht. Kurz vor 9 Uhr kommt Ivan mit dem Toyota Landcruiser, der uns die nächsten 2 Wochen die 1500 km lange Rundreise, auch durch unwegsames Gelände, transportieren soll. Zunächst testet Ivan aus, wie er unser Gepäck am besten verstauen soll. Einige Taschen müssen aufs Dach und werden in eine Folie gepackt, um vor Staub und Regen geschützt zu werden. Dann brechen wir endlich auf. Zuerst fahren wir nach Kampala, der Hauptstadt Ugandas, die nur ca. 40 km von Entebbe entfernt und eine große, sehr lebhafte Stadt ist. Wir unterhalten uns darüber, dass wir hier lieber nicht Autofahren würden, Ivan meint, wer hier fahren kann, kann überall fahren! Zu dem Chaos auf den Straßen kommt noch, dass Linksverkehr herrscht. Zum Glück haben wir Ivan! Wir halten bei Churchill-Safaris - Ivans Arbeitgeber - und bekommen erst jetzt mit, dass dieser Veranstalter das Unternehmen ist, das mit Colibri Reisen zusammen arbeitet, Churchill-Safaris ist also der Tour-Operator. Bei der Begrüßung teilt uns die Chefin mit, dass für die kommenden 14 Tage alles klar sei, Höflichkeiten werden ausgetauscht und schließlich wünscht sie uns eine gute Reise. Wenn wir da nur schon gewusst hätten, dass gar nicht alles so klar ist ...

Nach diesem kurzen Besuch fahren wir zum Geldwechseln und machen noch einen kurzen Stopp bei einer Lehmziegelei, neben der sich eine große Anzahl von Marabus aufhält. Die riesigen Vögel gelten als die Müllabfuhr der Städte. Nachdem wir einige Fotos und erste Bekanntschaften mit der ugandischen Bevölkerung gemacht haben, geht es weiter - Richtung Fort Portal. Unser Weg führt über recht gute Asphaltstraßen durch unzählige kleine Dörfer und Städte. Ziegen sind auf den schmalen Grünstreifen zum Weiden angebunden, überall links und rechts der Straße gibt es Geschäfte, an die nach hinten die Wohnhäuser der Geschäftsleute angebaut sind. Viele der Häuser sind knallig bunt angestrichen und mit Werbung für die hiesige Telefongesellschaft versehen. Wer sein Haus mit Werbung schmückt, bekommt nämlich Geld dafür. Auf den Straßen ist eine Menge los. Da viele Leute zu Fuß unterwegs sind, häufig schwere Lasten auf ihren Köpfen balancierend und das Fahrrad das gängiste Transportmittel ist, muss unser Fahrer immer wieder hupen und ausweichen, damit kein Unfall passiert. Die ugandischen Fahrräder haben keine Gangschaltung und selten gut funktionierende Bremsen, oft sind sie mit mehreren Bananenstauden gleichzeitig beladen. Auch Türrahmen samt Tür, ein komplettes Esszimmer bestehend aus Tisch und Stühlen oder auch lebende Tiere werden auf abenteuerlich Weise transportiert. Während der Fahrt haben wir Zeit, Ivan näher kennen zu lernen. Es sei erwähnt, dass er nahezu perfekt Deutsch spricht, er hat das in der Schule und später an der Universität in Kampala gelernt und war nur einmal für 6 Wochen in Deutschland, als er als Jahrgangsbester ein Stipendium gewonnen hatte. Er kennt jede deutsche Abkürzung, eine Menge umgangssprachlicher Ausdrücke und kann keine geringe Anzahl Werke klassischer deutscher Dichter fehlerlos rezitieren. Außerdem singt er sehr gut, zu unserem Leidwesen aber hauptsächlich grässliche deutsche Schlager, dafür aber alle auswendig. Unser Driverguide entpuppt sich als unterhaltsam, gesprächig und witzig, aber auch als sehr gebildet, belesen und als perfekter Führer durch sein Land.

Mittags machen wir Halt in einem kleinen Ort und essen landestypische Kost in einem kleinen Gasthaus etwas abseits der Straße. Es gibt Matoke (Kochbananen), Ugali (Maisbrei), Maniokwurzel und Yams, dazu zur Auswahl Erdnuss-, Ziegen- oder Rindfleischsoße. Nach dem Essen beobachten wir auf der Straße die Händler, die sobald ein Sammeltaxi oder ein Bus hält, mit frisch gegarten Bananen- oder Fleischspießen angerannt kommen und den Reisenden einen Snack durchs Fenster anbieten. Ivan nennt dies "Schnellrestaurant". Außerdem klärt er uns über die verschiedenen Taxiarten auf. Es gibt Sammeltaxis (Lastwagen, Minibus oder Auto, die aber alle für unsere Begriffe hoffnungslos überfüllt sind), Mopedtaxis oder Fahrradtaxis. Ein paar Kinder kommen zu uns und flirten ein bisschen, bis wir zu unseren Kameras greifen und sie fotografieren, sie hegen die Hoffnung eine Kleinigkeit dafür zu bekommen. Wir haben aber nichts und wieder einmal stellt sich die Frage, ob es gut oder schlecht ist, in armen Ländern das Betteln zu unterstützen. Letztlich freuen sie sich als wir Ihnen die Fotos auf den Displays der Digitalkameras zeigen und ein bisschen Quatsch mit ihnen machen. 

Leider kapieren die meisten Touristen nicht, dass sie mit Bonbons, Kugelschreibern oder Geld den Leuten nichts Gutes tun und dass durch derartige Gaben das Reisen für nachfolgende Generationen immer schwieriger wird. Kinder und auch Erwachsene lernen schnell zu instrumentalisieren, dass Touristen leichtfertig Geschenke verteilen: Der Tourist wird als Melkkuh gesehen, die es zu nutzen gilt. Geholfen wird den Einwohnern armer Länder aber durch diese Gaben sicher nicht, Bettelei bringt so manches Kind um eine Ausbildung, fördert Kriminalität und macht die Kinder zur Haupteinnahmequelle der Familien, nicht zuletzt verursachen Süßigkeiten Karies, Zahnärzte gibt es aber nicht oder sind zu teuer. Will man sinnvoll helfen, sollte man Schulhefte, Schreibgeräte oder Kleidung mitbringen und dem Dorfältesten oder dem Schuldirektor übergeben oder man nimmt ein Patenkind aus einem der armen Länder. Ein guter Rat ist auch, sich etwas Zeit zu nehmen, um mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Das ist eine weitaus schönere Art des Kontakts, als einfach nur Geschenke zu verteilen.

Schließlich fahren wir weiter und kommen nachmittags in Fort Portal an, einer  Kleinstadt mit ca. 40.000 Einwohnern. Wir werden hier 2 Nächte im Ataco Country Resort übernachten. Kaum sind wir aus dem Auto gestiegen, begrüßt uns schon Regina - die Managerin, eine herzliche, kleine, pausbäckige, schwarze Frau. Sie zeigt uns alles, ihre Freundlichkeit und ihre Bemühungen uns alles recht zu machen sind enorm. Wir beziehen unsere kleine dunkle Hütte und ruhen ein wenig aus. Duschen ist schwierig, da das Wasser nur tropfenweise aus dem Wasserhahn kommt - dann lassen wir es eben. Abends beim Essen stellen wir fest, dass wir wohl die einzigen Gäste sind. Das Essen schmeckt gut und uns wird jeder Wunsch schon bevor wir ihn selbst wahrnehmen von den Augen abgelesen. Müde von all den neuen Eindrücken gehen wir bald ins Bett, denn morgen müssen wir zeitig aufstehen - Schimpansen-Trekking.

3. Tag - Schimpansen-Trekking im Kibale Forest Nationalpark und Sumpfwanderung im Bigodi Wetland Reservat

Um ca. 5 Uhr werden wir von einem gleichmäßigen Trommeln geweckt, wir fragen uns woher die Rhythmen kommen, ist das vielleicht eine Art öffentlicher Wecker? Richtig schlafen können wir jetzt nicht mehr, aber wir müssen sowieso gleich aufstehen. Nach dem Frühstück geht es um 6.45 Uhr los, wir fahren 35 km Piste in den Sonnenaufgang hinein, vorbei an Teeplantagen und kleinen Dörfern. Der Nebel verzieht sich gerade, die Sonne geht im rötlichen Morgenlicht auf und taucht die Landschaft in ein diffuses rosafarbenes Licht. Die Bauern sind schon alle auf den Beinen, Frauen melken Ziegen, Kinder machen sich auf den Weg zum Wasserholen und später zur Schule. Im Nationalpark angekommen, bekommen wir erst einmal eine Einweisung wie wir uns zu verhalten haben, was wir mitnehmen und anziehen sollen und dass wir die Socken über die Hosen ziehen müssen wegen der Ameisen. Schließlich werden wir in Gruppen à sechs Personen eingeteilt und bekommen einen Ranger zugeteilt, der uns durch den Regenwald führen wird. Ein paar Kilometer fahren wir noch mit dem Jeep, Paviane sitzen völlig unbeeindruckt am Wegesrand und lassen sich gerne fotografieren, dann geht es zu Fuß weiter. Durch schmale Pfade folgen wir unserem Ranger im Gänsemarsch, alle sind ganz still. Die zahlreichen und unterschiedlichen Tiergeräusche bewirken, dass man die Dschungelatmosphäre überdeutlich wahrnimmt. Oft bleiben wir stehen, unser Guide lauscht, ändert immer wieder die Richtung und wir fragen uns, wie er aus diesen vielfältigen Geräuschen die Schimpansen heraushören kann.

Irgendwann entdeckt er einige Schimpansen ganz hoch in den Bäumen. Zum Glück haben wir unser Fernglas dabei und mit dem Teleobjektiv der Spiegelreflexkamera sieht man sie auch ganz gut. Wir folgen den Geräuschen derSchimpansen und plötzlich hören wir sie lauter werden, es hört sich an als würden sie streiten, tun sie wohl auch, denn auf einmal kommen einige Tiere herunter. Bei Streitereien kommen Schimpansen häufig auf den Boden, wie wir von unserem Ranger lernen, die meiste Zeit verbringen sie jedoch hoch oben in den Bäumen, entweder mit Nahrungssuche oder mit Ausruhen beschäftigt. Ganz nah laufen die Tiere an uns vorbei, lassen sich von uns überhaupt nicht stören, ignorieren uns regelrecht. Sie streiten und jagen sich, bis auf einmal unvermittelt wieder Ruhe herrscht und sich alle wieder einen sicheren Platz im Geäst suchen. Man muss dazu sagen, dass es sich bei dieser Schimpansengruppe um eine habituierte, d.h. eine an den Menschen gewöhnte Gruppe handelt, anders würde man sie sicher nicht zu Gesicht bekommen. Die Schimpansen leben aber völlig frei und wild in ihrem Wald, sie haben eben nur die Scheu vor den Menschen verloren. Eine Schimpansenmutter mit ihrem Jungen am Bauch ist nur auf halber Höhe eines Baumes und lässt sich bereitwillig betrachten und fotografieren - wir sind beeindruckt. Ein Schimpansenmann sitzt ganz oben in einem Baum und futtert genüsslich eine Frucht nach der anderen, er hockt lässig in einer Astgabel und lässt eines seiner Beine baumeln. Diese Schimpansengruppe besteht aus 120 Tieren, die aber nicht alle eng zusammen leben, sondern sich in mehrere Untergruppen aufgeteilt haben. Nach einer Weile begegnen uns noch andere Affenarten. Rotschwanzaffen, Black and White Colobus Monkeys und eine Unterart der Rotschwanzaffen. Langsam aber sicher ist unsere Zeit leider um, Touristen dürfen nur 1 Stunde bei den Affen verbringen, damit die Tiere nicht allzu sehr gestört werden. Auf dem Rückweg entdecken wir einen vorbeifliegenden Nashornvogel, er hat uns schon die ganze Zeit durch seine schöne Stimme aufmerksam gemacht. Außerdem sind da mehrere Ameisenstraßen mit wirklich riesigen Ameisen und wir finden Elefantenkot - blicken lassen sich die seltenen Waldelefanten allerdings nicht.

Wieder zurück bei unserem Ausgangspunkt, bestellen wir in dem kleinen Gasthaus beim Nationalparkbüro Mittagessen. Da keine anderen Gäste da sind, wird in der Küche hinter dem Haus über einem offenen Feuer extra ganz frisch für uns gekocht. Wir haben schon gelernt, dass die Portionen in Uganda unnatürlich groß sind, deshalb bestellen wir zusammen nur ein Gericht - Chapati mit Gemüse -, was sich als sehr weise Entscheidung entpuppt, denn die eine Portion reicht locker für uns zwei. Ivan vertreibt uns die Zeit, die wir aufs Essen warten müssen mit Geschichten, er ist wirklich sehr komisch und erklärt uns ausführlich, warum er noch 5 Jahre ungebunden sein möchte. Er weiß viel über afrikanische Frauen zu berichten, die ihre Männer angeblich recht gut im Griff haben und es scheint, als möchte er auf jeden Fall erst mal das Leben genießen und genügend Geld verdienen, bevor er eine Frau heiratet und eine Familie gründet. 

Nachmittags machen wir uns auf dem Weg zum Bigodi Wetland Reservat. Bei der Station ist ein riesiger Baum mit einer Unmenge von Webervögelnestern, man kann die Vögel sehr gut beim Bau ihrer kunstvollen Behausungen beobachten. Es gibt nicht nur dunkle Webervögel, sondern auch knallig gelbe. Mit einer jungen Rangerin machen wir uns auf den Weg ins Sumpfgebiet, es ist heiß geworden. Wir laufen durch einen grünen lichten Wald, sehen Schmetterlinge, bunte Vögel, eine kleine Baumeidechse und gelangen schließlich zu einem äußerst dekorativen Papyruswald, durch den sich eine Art Steg schlängelt, so dass wir trockenen Fußes durch das sumpfige Gelände wandern können. Unsere Füße sind zwar trocken, aber das Wetter hat plötzlich umgeschlagen, dicke schwarze Regenwolken ziehen auf. Lange dauert es nicht, bis die ersten Tropfen fallen. Eine Weile wandern wir weiter, der Regen wird heftig und wir packen nun doch unsere Regenjacken aus. Es hat einen ganz eigenen Reiz im strömenden Regen durch diese grüne Landschaft zu wandern. Die Luft ist warm und feucht und man hört nur Vögel und Affen in den Bäumen. Wir kommen an Rinderweiden vorbei, die an das Sumpfland grenzen. Die Rinder sehen aus wie unsere heimischen, fast könnte man meinen, man wäre im Allgäu. Aber nur fast ... kurze Zeit später hören wir Geschrei ... Menschen? Tiere? Wir laufen weiter, bis wir in der Ferne, die Ursache der Geräusche erkennen. Eine Horde Paviane plündert ein Maisfeld und wird von einer Bauersfrau laut schreiend verjagt. Die Paviane kreischen, haben es aber nicht besonders eilig davon zu kommen, im Gegenteil, sie nehmen soviel Mais mit, wie sie tragen können bzw. wie in ihre Backen passt und laufen erst davon, als die Frau mit Verstärkung im Schlepptau laut schimpfend hinter ihnen herläuft. Die Affen bewegen sich auf uns zu und irgendwann stehen sie nur ein paar Meter entfernt vor uns. Der Regen hat nachgelassen und so können wir die günstige Gelegenheit für gute Pavianaufnahmen nutzen. Als wüssten sie, dass wir nun mit den gemachten Fotos zufrieden sind, biegen sie schließlich in den Wald ab und verschwinden. Die Sonne kommt wieder hinter den Wolken hervor, unser Weg führt uns weiter durch das Sumpfgebiet und endet schließlich wieder an der Station, hier wartet Ivan schon auf uns und wir fahren zurück zur Lodge.

Gestern haben wir schon von Regina, der Managerin erfahren, dass heute Abend eine Hochzeit auf dem großen Platz vor der Lodge stattfindet. Als wir ankommen ist das Fest schon in vollem Gange. Viele schick gekleidete Leute, ein ganzes Zelt voller Geschenke - lauter Hausrat -, Musik und Reden über Lautsprecher. Beim Abendessen ist einiges los. Die Gäste der Hochzeit essen zwar nicht bei uns in der Lodge, aber sie kommen in die Bar, um sich Getränke zu kaufen. Insgesamt sollen 1100 geladene Gäste da sein, inzwischen sind es aber weitaus mehr, da nach dem offiziellen Teil jeder zur Hochzeitsparty kommen kann. Nach dem Essen mischen wir uns unter die tanzenden Gäste. Es wird gute Musik gespielt, ein paar jüngere Schwarze tanzen mit uns, wir unterhalten uns so gut es bei der Lautstärke geht. Als wir gefragt werden, woher wir denn kommen und "From Germany" antworten, blicken wir in ratlose Gesichter - keiner kennt Deutschland. Man muss schon etwas von "Europe" erzählen um den Menschen ein wissendes Kopfnicken zu entlocken. Die Menschen kennen vielleicht nicht unbedingt Deutschland, trotzdem haben wir bei dieser Reise häufig ein echtes Interesse an Europa erlebt. Wir amüsieren uns prächtig beim Tanzen, bis auf einmal - oh, Schreck - eine völlig aufgelöste Regina in der Menge auftaucht, uns von der Tanzfläche zerrt und regelrecht ein bisschen ausschimpft. Wir können doch nicht mit unseren Rucksäcken in dieser Menschenmasse tanzen, das ist zu gefährlich, wir sollen die Sachen in unsere Hütte bringen, dann können wir ja wieder tanzen gehen. Das wollen wir aber jetzt auch nicht mehr. Es ist sowieso schon spät und wir gehen ins Bett, kurze Zeit später hört die Musik auch auf.

4. Tag - Fahrt zum Queen Elisabeth Nationalpark 

Nach dem Frühstück verabschieden wir uns von Regina und ihrer Kollegin Betty, wir machen ein paar Fotos von ihnen und uns und versprechen, sie per E-Mail zu schicken, wenn wir wieder zu Hause sind. Regina möchte gerne neue deutsche Wörter lernen, Roland bringt ihr deshalb bei: "Guten Morgen alter Mann" und gibt ihr den Auftrag, den Satz zu Ivan zu sagen. Als sie dies später auch tut, ist das Gelächter natürlich groß - Ivan ist Ende 20. Der Abschied ist sehr persönlich, wir lachen viel miteinander und haben das Gefühl, Freunde gewonnen zu haben. Ivan und die Männer laden das Gepäck aufs Dach und um 9.00 Uhr verlassen wir Fort Portal. Ca. 3 Stunden Fahrt liegen vor uns. Der Weg führt wieder durch viele Dörfer. Heute ist Sonntag, die Menschen sind schön angezogen und gehen in die Kirche. Mehr als 80% der Ugander sind Christen, etwa 12% sind Moslems. Ivan erzählt, dass die Menschen in Uganda sehr gläubig sind. Katholische Kirchen erkennt man an einem runden Gebäude, evangelische an einem eckigen. Während der Fahrt ziehen riesige Flächen mit Mais an uns vorbei. Ivan meint, dass der Hunger in Uganda nicht so groß sei wie in manch anderen afrikanischen Ländern, da sehr viel Gemüse und Obst angebaut würde und die Armen, zumindest auf dem Land, Selbstversorger seien. Später zeigt er uns den gelben Oleander, dessen Samen die Ugander gerne in ihren Taschen tragen, denn wenn man ihn drückt, soll das Glück bringen. Unterwegs müssen wir tanken und sind überrascht, dass es neben Superbenzin und Diesel auch Kerosin an den Tankstellen gibt. Auf die berechtigte Frage wofür die Ugander Kerosin brauchen, bekommen wir die kurze, aber einleuchtende Antwort: für die Lampen. Logisch, denn Strom ist in Uganda nicht immer und überall verfügbar. Als wir den Äquator überqueren halten wir kurz und machen am Äquatordenkmal die klassischen Fotos, die wohl jedes Ugandafotoalbum zieren.

Bald schon merken wir, dass sich das Landschaftsbild verändert, es wird savannenartiger, die Farben sind hellbraun bis rötlich, alles sieht viel trockener aus und es ist auch wärmer. Wir sind nun schon im 1978 km² großen Queen Elisabeth Nationalpark angelangt und begeben uns gleich auf eine erste Pirschfahrt. Uns begegnen die am häufigsten vorkommenden Tiere: Warzenschweine, Ugandakobs, Wasserböcke, Büffel und ein Kampfadler. Die Sonne ist herausgekommen und so werden auch die Fotos gut. Nach einer Stunde Pirschfahrt machen wir uns auf den Weg zur Mweya Lodge, die mitten im Nationalpark liegt, oberhalb des Kazinga-Kanals, einer natürlichen Wasserstraße zwischen dem Lake Edward und dem Lake George.

Am Eingang der Lodge wird man von einer lebensgroßen täuschend echt aussehenden Elefantenskulptur begrüßt. Wir beziehen unsere Zimmer, gehen gleich noch eine Kleinigkeit essen und sehen uns dann die Umgebung an. Uns begeistert die Gegend, diese Lodge liegt wunderschön, das Essen ist lecker und es gibt sogar einen Pool. Wir gehen auf dem Gelände umher und staunen nicht schlecht, als ein paar Warzenschweine 2 m von uns entfernt seelenruhig auf ihren Vorderfüßen kniend Gras futtern, ohne sich in irgendeiner Weise stören zu lassen. Zuerst fragen wir uns, ob wir ihnen trauen dürfen, oder ob sie nicht vielleicht doch angriffslustig sein könnten. Aber schon bald merken wir, dass die Tiere Menschen gewöhnt sind und ihr einziges Interesse dem saftigen Gras auf dem Gelände der Lodge gilt. Wir stellen fest, dass es hier nirgends Zäune gibt, die Anlage liegt mitten im Nationalpark und alle wilden Tiere können kommen und gehen wie sie wollen. Ist das vielleicht nicht doch gefährlich? Wir machen noch einen kleinen Spaziergang außerhalb des Lodgegeländes und unterhalten uns im Vorbeigehen mit dem Pförtner. Er ist sehr interessiert, wie es bei uns zu Hause ist und welche Früchte und welches Gemüse in unserem Land angebaut werden. Es ist nicht einfach jemandem zu erklären, was Erdbeeren, Kirschen, Birnen, etc. sind, wenn er dieses Obst nicht kennt. Das einzige, womit er etwas anfangen kann, sind  Äpfel. Wir gehen zurück zur Lodge und fotografieren die exotischen Blumen, Vögel und Kakteen. Plötzlich sehen wir ein paar kleine gestreifte Tiere vorbeihuschen und können sie sogar mit der Kamera einfangen, wir denken, dass das Mungos sein könnten, sicher sind wir uns aber nicht. Wie üblich in den Tropen wird es schnell dunkel und wir gehen in unser Zimmer. Obwohl die Räume mit Insektenspray behandelt wurden, sind eine Menge Mücken unterwegs und weil das vorhandene Moskitonetz einige Mängel aufweist, beschließen wir unser eigenes aufzuhängen. Das Unterfangen stellt sich als gar nicht so einfach heraus, da man ja keine Löcher in die Decke machen will. Schließlich spannt Roland eine Schnur zwischen dem Deckenventilator und einem Haken, den er in einen der Wandbalken geschraubt hat, um unser Netz daran zu fixieren.

Nach dem Abendessen sitzen wir noch lange mit Werner auf der Terrasse, unterhalten uns und schauen den Fledermäusen bei der Insektenjagd zu. Wir bleiben, bis wir die letzten Gäste sind und das Gefühl bekommen, dass die Angestellten froh wären, wenn wir endlich gehen würden. Also gut, machen wir uns eben auf den Weg. Wir müssen um das Hauptgebäude herum, um zu unseren Zimmern zu gelangen. Auf dem Weg dorthin hören wir plötzlich ein Geräusch, das wir nicht richtig einordnen können. Uns verschlägt es die Sprache: vor uns steht 2 m entfernt genüsslich weidend ein Nilpferd, das Geräusch kommt vom Gras Abrupfen und vom Kauen und Schmatzen des Nilpferds. Glücklicherweise ist ein Nachtwächter in der Nähe. Es heißt ja immer, dass Nilpferde die gefährlichsten Tiere Afrikas sind, deshalb fragen wir ihn, ob dies eine bedenkliche Situation ist. Hakuna matata - keine Sorge! Er erzählt, dass die Nilpferde oft in der Nacht vom Kazinga-Kanal zur Lodge herauf gestiegen kommen um zu weiden. Sie kennen die Menschen, wir sollen doch unsere Fotoapparate holen und wir können ohne weiteres auch mit Blitz fotografieren. Mit unseren Kameras bewaffnet kommen wir zurück und versuchen unser Bestes. Aber Nachtaufnahmen von einem Nilpferd sind gar nicht so einfach. Der Autofokus der Kompaktkamera versagt gänzlich, mit der Spiegelreflex klappt es jedoch. Der Nachtwächter erzählt uns abenteuerliche Geschichten von Hippo-Hochzeiten, Löwenjagden auf Nilpferdbabys und von einem wütenden Elefanten, der die Gartenstühle und Sonnenschirme der Lodge zerlegt hat. Zwei Elefanten besuchten früher öfter die Lodge, sie bekamen von den Angestellten die Namen John und Maria. Eines Tages näherte sich John Maria in eindeutiger Absicht: er wollte, sie wollte nicht, das Ganze gipfelte schließlich in einer wilden Verfolgungsjagd. Das alles soll hier passiert sein, wo wir im Moment stehen, es ist kaum zu glauben. Die Skulptur am Eingang ist ein Abbild von John und wurde von einem kenianischen Künstler zusammen mit 20 Helfern aus Zement gefertigt. Wir können uns kaum von dem grasenden Nilpferd trennen, tun es aber dennoch, da wir morgen um 5.30 Uhr aufstehen müssen.

5. Tag - Queen Elisabeth Nationalpark Pirschfahrt und Bootsfahrt auf dem Kazinga-Kanal

Wieder einmal war die Nacht nicht lang. Kurz vor der Abfahrt zur Pirsch gibt es netterweise Kaffee und Muffins. Um 6.15 Uhr brechen wir auf, es wird gerade eben hell. Die Kamera muss ich mit Hilfe meiner Mini-Taschenlampe herrichten. Gerade bin ich damit fertig, sichten wir die ersten Elefanten. Das Dach unseres Autos ist hochgeklappt. Draußen ist es noch frisch. Die großen Grauen sind am Futtern. Es ist fast noch etwas zu dunkel für gute Fotos. Wir fahren weiter und müssen die Asphaltstraße überqueren, um auf die andere Seite des Parks zu kommen, wo sich mehr Tiere aufhalten. In dem Augenblick, als wir auf die Straße abbiegen, überquert eine Gruppe Elefanten mit Jungtieren die Straße. Sie haben es eilig auf die andere Seite zu kommen und plündern dort angekommen das Blattwerk der Bäume. Das gibt schöne Fotos! Wir sehen große Herden Ugandakobs, Büffel, Warzenschweine, Wasserböcke, Schopfadler, Geier, Perlhühner, Hammerköpfe und deren Riesennester. In einem Schlammloch badet ein einzelnes Nilpferd, man sieht es kaum, nur die Ohren und die Nase schauen heraus. 

Unser wichtigstes Anliegen heute ist aber die Löwen zu finden, die hier nicht so verbreitet sind, die aber - wie wir gehört haben - in den letzten Tagen häufig gesichtet wurden. Alle Augenpaare suchen konzentriert das Gelände ab, aber leider ... nichts zu sehen. Uns kommt ein anderes Safariauto entgegen, Ivan fragt, ob Löwen gefunden wurden ... nichts ... also weiter ... nach einer Weile sehen wir zwei stehende Safariautos, wir fahren hin. Tatsächlich, da ist ein Löwe, aber weit entfernt. Durch das Tele sehe ich, dass es sich um ein sehr altes, ganz stark abgemagertes, weibliches Tier handelt, das nicht mehr bei seiner Gruppe lebt und dem Tod wohl nicht mehr fern ist. Irgendwie stimmt uns das ein wenig traurig, aber das ist nun mal der Lauf der Natur. Dies sollte die einzige Löwenbegegnung bleiben. Auf dem Rückweg kommen wir an einem der Kraterseen vorbei. Ein Warzenschweinmann macht seine Angebetete an, will sie beglücken, aber, wie immer ... sie will nicht. Auf der anderen Seite des Parks angelangt, treffen wir wieder eine Elefantenherde. Am späten Vormittag kommen wir zur Lodge zurück.

In der Eingangshalle lasse ich meinen Fotorucksack stehen und gehe kurz zur Toilette. Ich will ihn wieder nehmen, der Reißverschluss ist aber offen ... sch... die Kamera knallt samt Objektiv auf den Boden ... sämtliche Anzeigen im Sucher leuchten. Aber scheinbar kann man zumindest noch damit fotografieren, hoffentlich hat das Objektiv nichts abbekommen - das wird sich  später bei unserem Bootsausflug dann schon herausstellen. Wir gehen ein bisschen an den Pool und lernen drei Typen aus Rosenheim kennen, die mit ihren Mountainbikes in Uganda unterwegs sind. Einer hat sich bei einem Sturz vom Rad den Arm gebrochen. Sie möchten, dass ich sie fotografiere, aber so, dass der eingebundene Arm nicht mit auf dem Bild ist. Die Frau des Verletzten darf nämlich nichts von dem Unfall wissen, da er sich im letzten Jahr in Äthiopien beide Arme gebrochen hat und nun befürchtet, dass sie ihn nicht mehr mit seinen Kumpels auf Abenteuerurlaub fahren lässt. Sie erzählen krasse Geschichten vom Krankenhaus in Äthiopien, extreme Typen, aber nett.

Nach dem Mittagessen müssen wir um 15.00 Uhr unten an der Bootsanlegestelle sein, das Schiff wartet schon. Wir schippern in gemütlichem Tempo Richtung anderes Ufer. Als wir näher kommen, sehen wir schon Unmengen von Büffeln, Nilpferden, Elefanten, Krokodilen und Vögeln. Das Boot tuckert am Ufer entlang und man denkt es müssen doch irgendwann weniger Tiere werden - aber im Gegenteil: es werden immer mehr! Ich drücke unentwegt auf den Auslöser und hoffe, dass die Kamera nicht gelitten hat und dass der Schaden nicht allzu groß ist. Wir fahren gut 2 Stunden und wie in einem fortlaufenden Film ziehen diese Tiermassen an uns vorbei, es ist wirklich beeindruckend, man ist irgendwie völlig "overloaded", wie es einer der Rosenheimer Jungs so schön ausgedrückt hat. 

Am späten Nachmittag sind wir zurück und fotografieren ein wenig im weitläufigen Garten, als ich plötzlich ein Filmteam mit Fernsehkamera entdecke. Neugierig geworden, möchten wir natürlich wissen, was es da denn Interessantes zu filmen gibt, kommen näher und sehen eine ganze Horde von Mungos. Roland fragt einen jungen Mann mit Notizblock, ob es sich denn tatsächlich um Mungos (= Mangusten) handelt. Der Typ, ein junger Schweizer, bestätigt, dass es Zebramangusten (ca. 40 Stück) sind und erzählt, dass diese Tiere normalerweise sehr, sehr scheu sind. Aber hier bei der Lodge haben sie sich an die Menschen gewöhnt und sind fast zahm geworden. Er gehört zum wissenschaftlichen Team einer englischen Universität, das die Mungos schon seit Mai beobachtet, eine Verhaltensstudie durchführt und einen Film dreht. Zuerst wollten sie die Mangusten in freier Wildbahn beobachten, aber das war wegen der großen Scheu der Tiere ziemlich erfolglos. Der Wissenschaftler ist  total nett und gibt über alles bereitwillig Auskunft. Wir folgen dem Team und den Tieren und können einige schöne Aufnahmen machen. Diese Schleichkatzenart lebt gesellig, es sind sehr soziale Tiere, neugierig und verspielt. Sie wuseln zwischen den Warzenschweinen umher und sind in allen Altersklassen vertreten, die Jüngsten sind gerade 4 Wochen alt.

Am Abend genießen wir das köstliche Buffet. Beim Nachtisch angelangt, entscheiden wir uns unter anderem für ein total lecker aussehendes Schokoladensoufflé aus einer noch jungfräulichen Schale. Roland und ich probieren gleichzeitig und finden dass es irgendwie seltsam schmeckt ... hhm ... ist das vielleicht eine afrikanische Spezialität? Wir versuchen noch einmal, dann ist es schon klar - da hat doch der Koch den Zucker mit dem Salz verwechselt! Roland steckt das einem der Ober. Ein anderer marschiert zum Buffet und bringt einen Teller mit Soufflé in die Küche (wohl um den Koch probieren zu lassen), es dauert nicht lange und es kommt wieder ein anderer Ober und lässt die Schale schnell vom Nachspeisenbuffet verschwinden, eine neue mit süßem Soufflé bringt er leider nicht. Pech gehabt - ich hatte mich so auf das Schokoladensoufflé gefreut! Bald danach gehen wir ins Zimmer, wir müssen noch zusammenpacken, morgen geht es nämlich weiter nach Kisoro - das wird eine lange Fahrt, ca. 8 Stunden.

6. Tag - Fahrt nach Kisoro

Morgens um 9.00 Uhr heißt es wieder Gepäck aufladen. Unser Ziel ist heute Kisoro, wir haben eine lange Reise vor uns. Es liegt weniger an den Kilometern als vielmehr an den schlechten Straßen und Pisten, dass die Fahrt so lange dauern wird. Unterwegs halten wir bei einem Aussichtspunkt, von dem aus man den zentralafrikanischen Grabenbruch sehen kann. Es geht vorbei am "Maramagambo", einem Urwald, der zu Deutsch "Ich habe meine Sprache verloren" heißt. Er wird deswegen so genannt, weil die Menschen Angst haben hindurch zu gehen, da es dort viele Schlangen gibt und der Wald sehr dunkel ist. Unendliche Felder von Kochbananen, die zu den Hauptnahrungsmitteln in Uganda zählen, ziehen sich übers Land, auch Papyrusanbau ist weit verbreitet. Man merkt nun, dass es in dieser Gegend immer mehr Viehzüchter gibt, überall weiden Ankoli-Rinder mit ihren schön geschwungenen großen Hörnern. Ivan ermahnt uns, die Viehhirten mit ihren Herden nicht zu fotografieren, da die Menschen glauben, dass ihre Tiere davon krank werden. Es ist auch gar nicht so leicht in Uganda Menschen zu fotografieren, manche Erwachsene werden deswegen regelrecht böse. Mittags rasten wir in Kabale und essen in einem Gasthaus mit Dachterrasse. Während wir aufs Essen warten, zeigen wir einem der Ober und einem Gast unsere Fotos von den Tieren auf dem Kameradisplay. Die beiden sind ganz begeistert, haben sie doch noch nie ein Nilpferd in Natura gesehen. Nachmittags geht's weiter. 

In den höheren Regionen zwischen Kabale und Kisoro ist der Regenwald fast überall abgeholzt, dafür ist alles terrassiert und in Felder eingeteilt. Tja, die Bevölkerung hat Hunger, da ist kein Platz mehr für den Regenwald. Wenigsten dient hier die Abholzung des Regenwaldes nicht der Profitgier irgendwelcher Großunternehmer (wie anderswo auf der Welt), sondern der Ernährung der Bevölkerung. Ungefähr auf halber Strecke zwischen Kabale und Kisoro kann man den ersten der Vulkane, den Muhabura - "Der, der den Weg weist" - sehen. 4127 m Höhe machen einen mächtigen Eindruck. Über staubige und steinige Straßen geht es bergab. Wir überqueren eine Flugzeugpiste, die vor einigen Jahren extra für den Besuch der Queen of England angelegt wurde. Vorbei an einem Zeltlager für Flüchtlinge aus dem Kongo erreichen wir Kisoro (2050 m). Dort angekommen, sehen wir auf einem Platz einen riesigen Menschenauflauf. Was wird gefeiert? Schon wieder eine Hochzeit? Ist nur eine Werbeveranstaltung der ugandischen Telekom, klärt uns Ivan auf. Dafür wird aber ganz schön abgetanzt. Daneben hat ein Schuhverkäufer auf der Wiese mindestens 200 Paar Schuhe säuberlich aufgebaut, die er zum Verkauf anbietet, wieder ein Stück weiter rasiert der Freiluftfriseur gerade einem Kunden den Kopf kahl. Friseure gibt es in Uganda überall viele, man sieht immer wieder, wie vor einem Friseurgeschäft kunstvolle Flechtfrisuren gezaubert werden. Endlich kommen wir beim legendären Traveller's Rest Hotel an, in dem schon Dian Fossey und George Schaller Stammgäste waren. Heute gehört das kleine Hotel der katholischen Kirche und ist an ein sehr nettes holländisches Ehepaar verpachtet. Wir werden unglaublich herzlich auf Deutsch empfangen und überraschenderweise sogleich nach unseren vegetarischen Wünschen fürs Abendessen befragt. Den Pächtern gehören zwei junge Rottweiler, die durch den Garten toben und mit ihren spielerischen Raufereien zur Unterhaltung der Gäste beitragen. Das Anwesen wurde vor ein paar Jahren renoviert und liebevoll im  afrikanischen Stil hergerichtet. Über die berühmten Gäste des Hotels gibt es im Eingangsbereich Fotos und Zeitungsausschnitte, in denen einiges Interessantes nachzulesen ist. Das Abendessen schmeckt vorzüglich, zufrieden sitzen wir danach noch am offenen Kamin und blättern in den vielen Büchern über Gorillas. Leider werden wir nur eine Nacht hier bleiben.

7. Tag - Besuch eines Pygmäendorfs und Fahrt nach Ruanda

Heute beginnt der Tag gemütlich um 8.30 Uhr. Zum Frühstück gibt es Pfannkuchen mit Früchten. Um 10.00 Uhr treffen wir uns zur Abfahrt in ein Pygmäendorf, vorher laufen Roland und ich noch eine kleine Runde durch Kisoro. Auf dem Weg zu den Pygmäen müssen wir noch einen Riesensack Maismehl als Geschenk für unsere Gastgeber kaufen. Nach ca. einer halben Stunde Fahrt sind wir fast da, nur noch ein kleines Stück Fußweg liegt vor uns. Beim Austeigen werden wir sogleich von den Nachbarn der Pygmäen umringt. Ein kleiner Bub mit einer vertrockneten Wunde am Auge hängt sich sofort an uns. Er sieht geistig behindert aus, das ist er auch, sagt Ivan, wir sollen aufpassen, denn angeblich beißt er. Einer unserer Mitreisenden bekommt das natürlich auch prompt zu spüren. Armer Bub ... Wir erfahren, dass er von den anderen Kindern ausgeschlossen wird und von uns wird er aufgrund Ivans Warnung auch nicht gerade kontaktiert.

Beim Pygmäendorf angekommen, werden wir begrüßt. Es ist seltsam, die kleinen Menschen wirken scheu. Wir werden ein bisschen herumgeführt, können die einfachen Strohhütten besichtigen und dürfen auch fotografieren. Trotz der Erlaubnis komme ich mir aufdringlich vor. Nach einer Weile tauen zumindest die Frauen ein wenig auf und lächeln ab und zu zurück, wenn man sie anlächelt. Nach dem Rundgang treffen wir uns auf dem Dorfplatz zu einer Gesangs- und Tanzvorführung. Jetzt sind die Pygmäen in ihrem Element, singen und tanzen können sie. Es tauchen immer mehr auf, die mitmachen (ca. 30 Personen + Kinder). Als Trommel dient ein leerer Wasserkanister mit Stock. Die Frauen singen und die Männer tanzen, dabei legt sich der Dorfälteste besonders ins Zeug, er ist ein richtiger Clown, außerdem ist er auch der Kleinste von allen. Nach einem Gruppenfoto begleiten sie uns singend zum Auto, Roland übergibt unser Geschenk und sie singen und tanzen solange, bis wir weggefahren sind. Ich mache mir Gedanken darüber, wie ich diesen Besuch finden soll. Einerseits wirkte alles durchaus authentisch, andererseits bleibt der fade Beigeschmack, dass dies doch alles nur eine Touristenveranstaltung war. Die Pygmäen sind sehr arm, durch den Tourismus haben sie aber eine einigermaßen sichere Einnahmequelle. Ivan meint, dass sie so leben wollen. Auf dem Rückweg fahren wir an einer Freiluftschule vorbei. Als die Kinder uns kommen sehen, laufen sie einfach vom Unterricht weg und halten uns ihre selbst gebastelten Spielsachen zum Autofenster hin. Die Lehrerin kommt angerannt und holt ihre Schar schimpfend und gleichzeitig lachend zurück.

Wieder im Traveller's Rest Hotel haben wir noch Zeit für ein schönes Mittagessen, bevor wir uns auf den Weg zur ruandischen Grenze machen, hier brauchen wir etwa 20 Minuten, um einige Formulare auszufüllen. Die Grenzbeamten sind lustig und immer für einen Spaß und ein Schwätzchen zu haben. In Ruanda herrscht Rechtsverkehr, die Uhr muss 1 Stunde zurück gestellt werden und plötzlich gibt es wieder asphaltierte Straßen. Nach dem Genozid hat die ruandische Regierung Gelder zum Wiederaufbau bekommen, die sie u.a. in neue Straßen investiert hat. Es sind unheimlich viele Leute unterwegs. Alle paar Meter laufen Kinder winkend zur Straße und rufen "Mzungu, Mzungu!", was soviel heißt wie "Weiße, Weiße!" Ähnliches haben wir zwar in Uganda auch schon erlebt, aber nicht in dieser Häufigkeit wie hier. Ruanda ist ein sehr kleines Land mit einer immens hohen Bevölkerungsdichte, man merkt, dass es hier eng ist. Überall wird gebaut, v.a. neue Wohnhäuser entstehen. Um ca. 16.30 Uhr kommen wir in unserem Hotel an und nutzen die Zeit bis zum Abendessen um Fotos von einem Chip auf den anderen zu verschieben, Kleider zu sortieren und alles für das morgige Gorilla-Trekking herzurichten. Zum Abendessen treffen wir uns um 19.30 Uhr, Ivan kommt auch dazu. Er wirkt komisch: auffällig aufgedreht und witzig - so geht das 1 Stunde, bis wir alle mit essen fertig sind. Dann rückt er plötzlich heraus mit der Sprache: es gibt für die nächsten 2 Tage nur vier Gorilla-Permits, obwohl wir sieben für unsere Reisegruppe bräuchten. Uns fällt die Kinnlade herunter, wir wollen gar nicht glauben, was er da sagt und natürlich wird gleich ein bisschen gestritten. Letztlich wird beschlossen, dass Roland und ich morgen gehen werden, weil wir ja für übermorgen ein zweites Trekking gebucht haben und Ivan meint, dass vielleicht noch weitere Permits aufgetrieben werden können. Zur Erklärung: für jeden Gorillabesuch braucht man ein Permit, das man schon mindestens 3 Monate im Voraus kaufen muß, eines dieser Permits kostet 399 Euro, wir haben bei der Buchung unserer Reise vier Gorilla-Permits gekauft und auch bezahlt. Jetzt fragen wir uns natürlich, was da schief gelaufen ist und sind ganz schön sauer. Alle Reiseteilnehmer versuchen gleich noch E-Mails an Ihre Vertragspartner in Deutschland zu schreiben und das alles spät abends mit einer französischen Computertastatur, bei der manche Buchstaben vertauscht sind. Viel zu spät gehen wir ins Bett, schlafen schlecht und müssen doch schon um 5.00 Uhr aufstehen.

8. Tag - Gorilla-Trekking 

Beim Frühstück um 5.30 Uhr treffen wir Werner, er wird heute einen der Vulkane besteigen. Um 6.00 Uhr machen wir uns auf den Weg zur Sammelstelle für das Gorillatrekking. Es ist ein klarer, kalter Morgen und die Sonne geht gerade als roter Feuerball auf. Zum Glück haben wir warme Sachen dabei. Nach einer Fahrzeit von 30 Minuten kommen wir beim Nationalparkbüro an. Es haben sich schon einige andere Trekker eingefunden, man hört alle möglichen Nationalitäten heraus. Viele Amerikaner und Australier, aber auch Österreicher, Engländer,  Italiener und Südafrikaner sind vertreten. Wir sind wohl die einzigen Deutschen. Nach dem Erledigen der Formalitäten, werden wir in Gruppen à acht Personen eingeteilt. Wir besuchen heute die Bwengegruppe auf dem Visoke (Bisoke 3711 m). Andere Vulkane dieser Gegend heißen z.B. Karisimbi (4507 m), Sabyinyo (3634 m), Gahinga (3473 m) und Muhabura (4127 m). Manche Gorillagruppen sind nach ihrem Silberrückenanführer benannt, aber auch alle anderen Gorillas in den Virungas haben Namen, das hat Dian Fossey seinerzeit eingeführt. Heute bekommen die neugeborenen Gorillas im Juni jeden Jahres bei einer feierlichen Zeremonie ihre Namenstaufe. Die Berggorillas in Ruanda werden genauestens überwacht und stehen unter ständiger wissenschaftlicher Beobachtung. Es gibt einige Gruppen, die nur den Wissenschaftlern zugänglich sind, die anderen acht habituierten Gruppen werden jeweils von höchstens acht Touristen pro Tag und Gruppe besucht. Der Aufenthalt ist auf 1 Stunde limitiert, um die Gorillas nicht zu sehr zu stören. Der uns zugeteilte Ranger klärt uns auf, wie wir uns bei den Gorillas zu verhalten haben. Man darf keinen Blitz benutzen, soll nur flüstern, die Gorillas nicht anstarren, vor allem nicht den Silberrücken, man darf nicht mit dem Finger auf sie zeigen, da sie das aggressiv machen kann. Es ist darauf zu achten, dass von unserer Seite aus ein Mindestabstand von 7 m eingehalten wird. Sollte ein Silberrücken uns zeigen, dass er hier das Sagen hat, indem er sich auf die Brust trommelt und einen Scheinangriff macht, müssen wir uns ducken, den Kopf wegdrehen und ganz unterwürfig tun. Jetzt wissen wir das Wichtigste und müssen nun noch ein Stück bis zum Startpunkt unseres Trekkings mit dem Jeep fahren. Die Fahrt im Schritttempo erscheint ewig lang, obwohl es eigentlich nicht weit ist, aber die Wege bestehen mehr oder weniger nur aus Felsbrocken.

Endlich sind wir da. Wir nehmen uns jeder einen Träger, den Stock, der uns angeboten wird, lehnen wir aber ab und marschieren los. 8 Gruppenmitglieder, einige Träger, der Ranger mit einem Azubi und vorn und hinten jeweils ein bewaffneter Soldat. Es geht steil bergan durch Felder mit Bohnen und Kartoffeln, weiter oben wird Pyrethrum angebaut, ein natürliches Insektizid, welches exportiert wird. Die Bauern sind bei der Arbeit, alle Felder werden von Hand bestellt, da es keine Maschinen gibt. Viele Kinder sind da, winken und versuchen selbst gemalte Gorillabilder zu verkaufen. Ein Ami aus unserer Gruppe lässt einen ganz schlauen Spruch los: er meint ernsthaft, wenn er so ein kleiner ruandischer Junge wäre, würde er hier lieber einen Limonadestand aufmachen. Ganz toll, diese Kinder haben wahrscheinlich noch nie in ihrem Leben Limonade getrunken! Ein Stück weiter sind Imker gerade dabei, Honig von ihren Bienenstöcken zu holen, sie räuchern, um die Tiere von den Waben zu vertreiben. Wir laufen ca. 1,5 Stunden bis wir an die Parkgrenze kommen. Eine Steinmauer trennt den Regenwald von den darunter liegenden Feldern. Wir steigen über die Mauer und sind in einer anderen Welt. Alles ist saftig grün, die Bäume sind mächtig, fremdartige Pflanzen bedecken den Boden, überall Lobelien, Riesennesseln, Disteln und Gewächse mit sehr langen Dornen. Immer wieder müssen wir auf allen Vieren durch meterlange Bambustunnel kriechen, da erweist es sich als günstig, dass wir unsere Rucksäcke nicht selbst tragen müssen. Der Ranger zeigt uns ein Lieblingsfutter der Gorillas, eine Distelart, er schält den Stil und gibt uns kleine Stückchen zum Probieren. Es schmeckt gut, ein wenig wie Gurke, ganz frisch und wässrig. In dieser Distelart und auch in anderen Gorillafutterpflanzen ist so viel Flüssigkeit enthalten, dass die Gorillas kein Wasser zu trinken brauchen. Zwischendurch spricht unser Führer immer wieder über Funk mit seinen Kollegen, die schon in aller Früh die Schlafnester der Gorillas gesucht haben, um dann ihren Weg zu verfolgen und uns in die richtige Richtung zu dirigieren. Wir laufen immer weiter bergauf, man merkt, dass die Luft dünner wird, das Atmen fällt ein bisschen schwerer, die Nasenschleimhaut ist ganz trocken und wenn man sich bückt und schnell wieder aufsteht, wird einem schwindelig, deswegen drosseln wir nun das Tempo ein wenig. Zwischendurch überqueren wir einen Bach, in dem aber nicht mehr viel Wasser ist. Wie muss es hier wohl sein, wenn Regenzeit ist? Die Wanderung wäre sicher um einiges anstrengender, wenn wir bis zu den Knöcheln im Matsch stecken würden. Irgendwann meint der Ranger: "Can you smell them?" Und tatsächlich liegt ein schweißartiger Geruch in der Luft. Wir dürfen nur die Kamera mitnehmen, alles andere bleibt mit den Trägern zurück. Keine Minute später sehen wir ein schwarzes Paket aus Wolle, vielleicht 4 Meter vor uns, im Gebüsch sitzen. Eine Gorillafrau schaut uns mit riesigen dunkelbraunen Augen unverwandt an, pflückt eine Pflanze und futtert mampfend. Der Blick der Gorillafrau trifft mich mitten ins Herz und ich fühle in diesem Moment die nahe Verwandschaft, die diese Menschenaffen mit uns verbindet. Diese Augen wirken als würde man in menschliche Augen blicken, ich werde sie niemals vergessen, denn sie haben sich regelrecht in mein Gedächtnis gebrannt.

Wir gehen ein Stückchen weiter, dort liegt eine dösende Gorillamutter im Schatten und ihr etwa 8 Monate altes Junges turnt auf ihrem Bauch herum. Mir verschlägt es den Atem, ich zittere vor Aufregung, noch nie habe ich etwas so einmalig Schönes in freier Wildbahn gesehen. Ich muss mich zusammenreißen, damit ich die Kamera bedienen kann. Das Kleine spielt mit den Pflanzen, schaukelt auf seiner Mutter, räkelt sich, legt sich auf ihren Bauch und guckt mit verträumtem Blick in den Himmel. Der Ranger führt uns weiter zu Bwenge, dem Silberrücken, der ausgestreckt im Schatten liegt und schläft. Als er uns kommen hört, machen die Ranger (der, der gefunkt hat, ist jetzt auch da) beruhigende, tiefe Gorillalaute. Dian Fossey nannte dies Rülpslaute. Der Silberrücken hebt nur kurz den Kopf und lässt sich nicht bei seiner Siesta stören. Ich möchte so gerne sein Gesicht sehen, aber er hat sich weggedreht. Nach einer Weile kommt eine weitere Gorillafrau dazu, sie hat ein noch sehr junges Baby von 5 Monaten dabei, dessen Bewegungen noch recht unsicher sind. Auf einmal kommt von der anderen Seite das andere Junge, das wir am Anfang gesehen haben ganz alleine den Pfad herunter und gesellt sich zu dem Baby. Sofort beginnen die beiden zu spielen und zu balgen, wobei das Ganze sehr, sehr sanft, vorsichtig und leise abläuft. Für wildere Spiele, wie sie die über einjährigen Gorillas machen, sind diese Babys noch zu klein. Die Mutter des Jüngeren sieht den beiden ganz entspannt zu. Irgendwann wälzt Bwenge sich herum und steht auf. Wir können kaum glauben wie groß und kräftig er ist. Er steht auf allen Vieren und pinkelt erst mal ewig lang, dann setzt er sich zu den Müttern und den beiden Kleinen. Man spürt die feste Familienbande und es ist unglaublich, wie sanft und friedlich sie sind. In diesem Moment hasse ich die Menschen, die diesen Tieren so viel Leid angetan haben. Das Übelste aber ist, dass es derartiges auch heute noch passiert. Wilderei, Gorillamorde, Verstümmelungen etc. gibt es immer noch, vor allem auf der kongolesischen Seite der Vulkane. Und man stelle sich vor: gegessen werden sie auch! Es soll z.B. in den USA und auch in Europa Restaurants geben, die dekadenten Zeitgenossen Fleisch von Gorillas und anderen Primaten servieren - ekelhaft! Jetzt kommt die Mutter des älteren Jungen noch etwas näher, sie setzt sich und macht ein wenig Zahnpflege, während die Kleinen immer noch spielen. Nach einiger Zeit beschließt Bwenge, dass sie jetzt weiter ziehen, und führt die Gruppe an, die anderen folgen und das ältere Junge reitet auf dem Rücken seiner Mutter. Die Gorillas gehen ein sehr gemächliches Tempo, sie reißen Futterpflanzen ab und lassen sich's schmecken. Eigentlich ist unsere Zeit jetzt um, der Ranger gibt uns aber noch ein paar Minuten und wir gehen ihnen hinterher. Das Gelände wird zunehmend schwieriger, nur der Ami, Roland und ich folgen noch, Lohn der Mühe sind ein paar weitere schöne Fotos. Schließlich heißt es umkehren und die Gorillas zurücklassen - wie schade, gerne wären wir noch etwas länger geblieben.

Als wir wieder bei unseren Trägern sind, soll ich dem Ami mein schönstes Gorillafoto zeigen, ich zeige ihm eines. Nice! Er hat nur gefragt, um mir seine zeigen zu können. Er hält mir eine Nahaufnahme von den Zähnen des jüngsten Gorillakindes vors Gesicht, dann meint er, dass er das aufgenommen hat, weil er von Beruf Zahnarzt ist. Das war dann zwar irgendwie lustig, aber ich werde den Eindruck nicht los, dass er auch damit nur angeben wollte. Seine Frau war übrigens diejenige, die, als wir die Gorillas gefunden haben, sofort mit ihrem Finger auf sie deuten musste. Ich hab ihr aber gleich gesagt, dass sie das bleiben lassen soll. Geblitzt hat natürlich auch irgendein Idiot. Die Menschheit ist so blöd, blöd, blöd!!! Zumindest war unsere Gruppe aber einigermaßen leise. Der Rückweg geht schneller, da wir ja jetzt nur noch bergab laufen. Insgesamt waren wir ca. 6 Stunden unterwegs. Nachdem wir unten angekommen und mit dem Jeep zur Sammelstation gefahren sind, bekommen wir dort unser Zertifikat, auf dem steht, dass wir die Bwenge Gruppe besucht haben.

Müde aber glücklich kommen wir zurück ins Hotel und ruhen uns bis zum Abendessen aus. Der Abend dauert heute nicht so lange, da wir ja morgen wieder um 5.00 Uhr aufstehen müssen.

9. Tag - Besuch des Grabes von Dian Fossey

Nachdem es keine weiteren Permits für das Gorillatrekking gibt, bzw. nur ein weiteres aufgetrieben werden konnte, hat der Veranstalter bestimmt, dass die beiden vorhandenen Permits von den anderen Reiseteilnehmern genutzt werden sollen. Später haben wir herausgefunden, dass alle vier Permits, die es gab, unsere Permits waren (mit Namen drauf). Das Reiseunternehmen Colibri hat also Reisen an drei weitere Personen verkauft, ohne dass es Permits für deren Gorillatrekkings gab. Wir, als Frühbucher sind praktisch als "Permitlieferanten" missbraucht worden und unser zweites Trekking wurde einfach gestrichen. Das ist mehr als ärgerlich, nun haben wir uns aber entschlossen zum Grab von Dian Fossey zu wandern und freuen uns sehr darauf.

Um 6.00 Uhr ist  Abfahrt, wir müssen zur gleichen Sammelstelle wie gestern und das Wetter ist zum Glück auch wieder so schön. Am Nationalparkbüro angekommen haben wir noch etwas Zeit und sehen deshalb Kunsthandwerkern zu, die neben dem Souvenirshop hübsche Holzgorillas herstellen. Es sind wirklich schöne Arbeiten und wir kaufen ihnen ein paar ab. Anschließend bekommen wir unseren Guide zugeteilt, der uns zum Grab von Dian Fossey bringen soll. Wir sind etwas überrascht, dass wir die einzigen sind, die das Grab besuchen wollen, sind aber eigentlich recht froh darüber, wenigstens müssen wir uns dann keine dummen amerikanischen Kommentare anhören. Nach einer noch holprigeren Fahrt als gestern nehmen wir uns wieder zwei Träger und laufen los, den gleichen Weg, den Dian Fossey immer gegangen ist. Außer unserem Guide begleiten uns noch ein weiblicher Azubi, die Träger und die obligatorischen bewaffneten zwei Soldaten. Von Anfang an herrscht zwischen dem Guide und uns eine Übereinstimmung der Wellenlänge und eine seltsam vertrautes Gefühl, als würden wir uns schon ewig kennen. Zuerst führt uns unser Weg, ähnlich wie gestern, durch die terrassenartig angelegten Felder der Bauern bis zur Mauer der Parkgrenze. Wir unterhalten uns die ganze Zeit mit unserem Guide, er zeigt uns die Pflanzen, erklärt viel über den Regenwald und über Rituale der Einheimischen. Er weiß eine Menge über Gorillas, kennt alle Namen und Verwandschaftsverhältnisse der in den Virungas lebenden Gorillas und kann uns anhand unserer Fotos, die wir gestern gemacht haben, die Namen der Gorillas sagen, die wir gesehen haben. Er erkennt auf unseren Bildern Maggie, eine der beiden Gorillamütter. Aus Dian Fosseys Buch "Gorillas im Nebel", wissen wir, dass Dian Maggie schon kannte als diese noch ein Baby war. Es ist kaum zu glauben, dass wir Gorillas begegnet sind, die schon vor vielen Jahren Vertrauen zu Dian Fossey gefasst haben und es gibt Zuversicht, dass manche von ihnen bis heute überlebt haben. Auf dem Weg finden wir plötzlich frischen Gorillakot und Fressspuren, beides zeugt davon, dass die Tiere vor kurzem hier gewesen sein müssen, ein wenig später hören wir sogar die Stimmen einer Gorillatrekkinggruppe. Nach Informationen über Funk teilt uns unser Guide mit, dass wir uns zwischen zwei Gorillagruppen befinden. Schade, dass wir nicht ein kleines bisschen früher da waren, die Gorillas hätten unseren Weg kreuzen können. Je höher wir kommen, desto mehr ändert sich die Vegetation, weiter unten war der Regenwald dichter und dunkler.

Hier oben überqueren wir immer wieder helle Lichtungen mit weichem Grasboden, der Wald ist insgesamt nicht mehr so dicht und viele Bartflechten und Luftwurzeln hängen von den Bäumen. Es ist auch etwas feuchter und immer wieder finden wir Büffelkot, der auch recht frisch aussieht. Es ist schon komisch, man ist mitten im Regenwald, in dem viele Tiere leben, aber zu sehen ist keines - wahrscheinlich beobachten sie uns!? Irgendwann teilt sich der Weg und ein Schild weist nach rechts zum Visoke Kratersee und nach links zu Dian Fosseys Grab. Wir sind jetzt auf 2967 m. Es geht noch weiter bergauf und schließlich kommen wir nach Karisoke, der Forschungsstation von Dian Fossey, bzw. zu dem was davon übrig ist. Viel steht nicht mehr von den Hütten, oft nur noch die Fundamentsteine. Aber überall sind Schilder angebracht, damit man weiß, was wo gestanden hat. Das hölzerne Skelett des Arbeiterhauses ist noch am besten erhalten. Weiter hinten auf der rechten Seite weist ein Schild darauf hin, dass hier "Dian Fosseys cabin" gestanden hat. Man bekommt schon ein eigenartiges Gefühl, wenn man weiß, dass ihr genau an diesem Platz mit einer Machete der Schädel gespalten wurde. In unmittelbarer Nähe zu ihrem Haus ist der Friedhof. Unser Guide pflückt Blumen und wir anderen tun es ihm gleich. Er hat uns gesagt, dass wir jetzt eine kleine Meditation an den Gräbern machen werden. Viele kleine Täfelchen tragen die Namen und die Geburts- und Sterbejahren der Gorillas, die hier beerdigt sind. Ganz rechts, genau neben dem Grab von Digit (Dians Lieblingsgorilla, der auf grausame Weise getötet wurde), ist Dian Fosseys letzte Ruhestätte, geschmückt mit einer Bronzetafel, auf der unter anderem steht: NO ONE LOVED GORILLAS MORE.

Jeder legt seine Blumen auf ihr Grab und geht einmal um das Grab herum. Schließlich stehen alle im Kreis und fassen sich bei den Händen. Geführt durch das Gebet unseres Guides und die starke Energie, die hier zu spüren ist, gedenken wir still all der Gräueltaten, die hier geschehen sind und dem unglaublichen Mut, den Dian Fossey aufbrachte, um gegen dieses Unrecht zu kämpfen. Wir sind ein wenig überwältigt und liegen uns am Ende mit dem Guide in den Armen, die Gefühle schwingen spürbar auf ein und derselben Ebene. Wir haben den Eindruck, diesem Ort gute Energie gebracht zu haben. Unser Führer zeigt uns noch den Bach, der in der Nähe vorbeifließt, danach machen wir Pause, wir verschenken unsere Sandwichs an die Träger und essen nur das Obst aus unserem Lunchpaket. Ein wenig genießen wir noch die Stille und die warmen Sonnenstrahlen an diesem schönen Ort und können gut verstehen, warum Dian Fossey ihn so geliebt hat. Nun machen wir uns auf den Rückweg und alle sind sehr guter Stimmung. Es wird gescherzt und geplaudert, aber wir führen auch ein interessantes, tiefergehendes Gespräch mit unserem Guide. Am Ende bezeichnet er diese Wanderung als einen "very peaceful trip" und auch wir empfanden es als eine wahre Bereicherung. 

Zurück im Hotel merken wir, dass Roland sein Handy verloren hat, es scheint ihm im Jeep aus der Hosentasche gefallen zu sein. Tja, weg ist weg. Wir rufen seinen Sohn in Deutschland an, der die Sim-Karte sperren lassen soll, das klappt zum Glück auch. Am Abend ist nicht mehr viel los, wir müssen noch packen und gehen früh ins Bett.

10. Tag - Fahrt zum Lake Bunyonyi 

Gemächlich machen wir uns um 9.00 Uhr auf den Rückweg nach Uganda. Die Strecke ist dieselbe wie auf dem Hinweg, d.h. wieder viel Piste und schlechte Straßen über die Berge. Nachdem das schlimmste Stück geschafft ist, halten wir bei einem kleinen Ort, da dort heute Markttag ist. Beim Schlendern über das Gelände stellen wir fest, dass wir die einzigen Weißen sind und dementsprechend werden wir beäugt. Es ist recht unterschiedlich, wie die Menschen auf uns reagieren: manche lächeln offen, manche wirken eher verschlossen und lächeln nicht. Es gibt Obst und Gemüse, Haushaltswaren, Kleidung und Stoffe, die direkt vor Ort auf fußbetriebenen Maschinen zu Kleidern oder Vorhängen genäht werden. Am Eingang des Marktes sind kleine Buden, wo man eine Kleinigkeit essen und trinken kann. Natürlich werden wir von jedem Wirt aufgefordert bei ihm einzutreten, wir fahren aber weiter, liegt doch noch ein gutes Stück Weg vor uns. Am Nachmittag kommen wir über Kabale in die Nähe des Lake Bunyonyi, es geht vorbei an Steinbrüchen, in denen Erwachsene, aber auch Kinder arbeiten. Werner möchte die arbeitenden Kinder gerne fotografieren, damit er seinen Schülern in Hamburg zeigen kann, wie es Kindern in Afrika ergeht und meint es mit einem Foto beweisen zu müssen, da sie es ohne einfach nicht glauben würden. Ivan rät jedoch davon ab zu fotografieren, da er hier schon erlebt hat, dass die Leute deswegen mit Steinen nach dem Auto geworfen haben. Wir fahren serpentinenartige unbefestigte Wege  bis ungefähr auf 2000 m hinauf, hier treffen wir auf unsere Unterkunft, die Arcadia Cottages.

Beim Betreten der Anlage bietet sich ein atemberaubender Ausblick. Unterhalb des abfallenden Geländes erstreckt sich ein riesiger See mit zahlreichen kleinen und größeren Inseln. Eine davon soll früher dazu gedient haben, Frauen und Mädchen, die ledig schwanger geworden waren, dort auszusetzen und ihrem Schicksal zu überlassen, d.h. dass sie dort den Hungertod starben. Auf dem See sind einige Paddler in Einbäumen unterwegs. Nachdem wir das wunderschöne Panorama auf uns wirken haben lassen, beziehen wir unsere kleine Hütte und haben den Rest des Nachmittags Zeit, die Gegend zu erkunden, den Ausblick zu genießen und uns ein wenig auszuruhen. Abends beim Essen fällt der Strom mal wieder aus, aber wir sind natürlich bestens mit Taschenlampen ausgerüstet. Auf dem Rückweg zu unserer Hütte merken wir, dass es nachts hier oben ganz schön kühl wird, zum Glück gibt es in den Hütten warme Decken, so müssen wir nicht frieren und haben eine angenehme Nacht.

11. Tag - Fahrt zum Lake Mburo Nationalpark

Frühstück gibt es heute um 8.15 Uhr, um 9.00 Uhr machen wir uns bereit zur Abfahrt. Fahrziel bis zum Mittagessen ist Mbarara, die in wirtschaftlicher Hinsicht zweitwichtigste Stadt Ugandas. Danach geht es weiter zum zweitkleinsten Nationalpark Ugandas, dem Lake Mburo Nationalpark. Schon am Anfang des Parks merken wir, dass es hier viel mehr Büsche und Bäume gibt als im Queen Elisabeth Nationalpark. Uns begegnen gleich die ersten Zebras und Impalas. Der Park grenzt direkt an das Weideland der lokalen Hima-Hirten, das ist auch der Grund dafür, dass man häufig Ankoli-Rinder und Zebras zusammen grasen sieht.

Schließlich kommen wir beim Camp an. Man wohnt hier in großen Zelten, die auf einer hölzernen Plattform stehen, zu jedem Zelt gehören eine Buschtoilette, eine Buschdusche und eine Buschwaschschüssel mit zwei Wasserkannen. Der Wassersack der Dusche wird von außen mit Wasser befüllt und per Seilzug nach oben gezogen. Wir bekommen das Zelt mit Namen Hyrax (Klippschliefer). Jedes Zelt hat einen anderen Tiernamen, die Bezeichnungen erweisen sich als nützlich, da man sich vor allem abends leicht verläuft, weil alles so gleich aussieht. Als wir zu unserem Zelt kommen, huschen unter der Holzplattform drei Warzenschweine heraus, die schleunigst das Weite suchen, als sie uns bemerken. Nachdem wir unsere neue Unterkunft begutachtet haben, beziehen wir erst einmal unser Zelt. Wir genießen am Nachmittag die Sonne auf der Holzplattform, trinken Kaffee und beobachten bunte Vögel im Flug und kleine Affen auf den Bäumen. Ab und zu taucht ein Warzenschwein auf, aber diese hier sind sehr viel scheuer als in der Mweya Lodge. Gegen Abend laufen wir zum höher gelegenen Aussichtspunkt des Camps, ein Angestellter begleitet uns, damit wir nicht unverhofft auf Büffel treffen. Der Ausblick auf den Lake Mburo ist wunderschön und die Sonne geht netterweise auch gerade ganz malerisch unter. Zum Duschen haben wir heute keine Lust, die Buschdusche werden wir morgen ausprobieren.

Das Abendessen wird auf der Holzveranda des Haupthauses serviert. Nur ein amerikanisches Paar ist außer uns noch zu Gast. Wieder einmal werden wir sehr verwöhnt und sind angetan von dem guten Service und der Freundlichkeit der Menschen. Zum Glück haben wir für den Rückweg zum Zelt wieder unsere Taschenlampen dabei, denn die Nacht ist stockfinster. Auf der Holzplattform vor unserem Zelt bleiben wir noch etwas stehen und blicken in die Nacht und zum Sternenhimmel hinauf. Plötzlich meint Roland ein Tier in der Nähe des Nachbarzeltes, das ca. 25 m von unserem entfernt steht, gehört zu haben und leuchtet mit seiner Taschenlampe in diese Richtung. Schnell gibt es die Aufklärung: "Why do you do that? I'm a human beeing!" ruft der Amerikaner, der vorhin neben uns sein Abendessen eingenommen hat. Dann sehen wir ihn auch. Er steht splitterfasernackt vor seinem Zelt, ist dabei sich zu waschen, indem er sich Wasser aus einem Kanister über den Körper gießt. Schnell macht Roland die Taschenlampe aus, soviel gibt ein blasser, alter Amerikaner auch wieder nicht her. Im Zelt gibt es noch für etwa 20 Minuten Licht, dann wird der Generator abgeschaltet und wir stehen im Dunkeln da. Jetzt merkt man mal, wie praktisch diese neumodischen Stirnlampen sind. Die Geräusche der Tiere in der Nacht bewirken, dass es heute etwas länger dauert bis wir einschlafen, aber die bequemen Buschbetten bescheren uns dann doch einen tiefen und erholsamen Schlaf.

12. Tag - Lake Mburo Nationalpark - Fußpirsch und Bootsfahrt

Um 6.00 Uhr werden wir mit Kaffee und Keksen von unserem persönlichen Betreuer Godfried geweckt. Zur heutigen Fußsafari fahren wir um 6.30 Uhr mit unserem Auto zum Ranger Headquarter. Von dort marschieren wir mit dem uns zugeteilten bewaffneten Ranger los und treffen schon bald auf Zebraherden, Elenantilopen, Impalas, Topis, Wasserböcke, Büffel und Warzenschweine. Es soll zwar  auch wieder vereinzelt, Löwen, Leoparden und Hyänen geben, aber die bekommen wir nicht zu Gesicht. Die Tiere hier sind viel scheuer als im Queen Elisabeth Nationalpark. Der Ranger erklärt, dass dafür der kontrollierte Jagdtourismus verantwortlich ist. Da die Tiere auch von Autos aus geschossen werden, sind sie diesen gegenüber sehr misstrauisch, kaum sehen sie ein Auto, suchen sie auch schon das Weite. Aus diesem Grund ist es besser auf Fußsafari zu gehen und insofern auch interessanter, weil man auch kleine Insekten beobachten kann, wie zum Beispiel die Ameisenlöwchen, die wir vom Auto aus sicher nicht gesehen hätten. Ebenfalls beeindruckend sind die Termitenbauten, die sich bis zu 30 m tief in der Erde befinden, nur der obere Teil, ein Hügel von ca. 1 m - 1,50 m Höhe, ist für uns sichtbar. Unsere Wanderung führt einen steilen Berg hinauf, oben angekommen wundere ich mich: wir stehen am Aussichtspunkt unseres Camps, an dem wir gestern Abend schon waren. Überraschenderweise habe ich vollkommen die Orientierung verloren, ich dachte, wir sind in die entgegengesetzte Richtung gelaufen. Umso besser! Nur noch ein paar Schritte bis zum Haupthaus, der Frühstückstisch ist schon gedeckt.

Nach dem Frühstück bestellen wir uns bei Godfried eine Buschdusche. Er bringt einen Kanister mit 20 l erwärmtem Seewasser (aus dem Lake Mburo), ich will als erste duschen und stehe schon parat. Er füllt außen das Wasser in den Sack, ich freue mich darauf mich endlich mal wieder zu waschen, stelle mich unter die Brause und ziehe an der Schnur, die das Wasserventil öffnet. Plötzlich brennt es mich am ganzen Körper, überall sind kleine schwarze Tiere: "AMEISEN ... alles voller AMEISEN!!!" schreie ich, leider so laut, dass man es im Nachbarzelt hören kann, was sich nicht gerade cool und wildniserfahren anhört, eine Ameisendusche hat man allerdings auch nicht alle Tage. Scheinbar wurde diese Dusche schon länger nicht mehr benutzt und die Ameisen fanden, dass der leere Wassersack eine prima Wohnung darstellt. Als das Wasser ihren Bau überschwemmt hat, musste das ganze Volk wohl oder übel durch den Duschkopf seinen angestammten Platz verlassen. Roland hat Glück, er duscht als zweiter und hat eine ganz normale Wasserdusche. Hätte ich mich mal lieber nicht so vorgedrängelt ... 

Für den Nachmittag haben wir am Lake Mburo ein kleines Boot gemietet. Der Kapitän, der zugleich unser Guide ist, zeigt uns entlang des Ufers viele Tiere, die wir ohne sein gut geschultes Auge niemals entdeckt hätten. Es gibt außergewöhnliche Vögel, grüne Meerkatzen, Krokodile, eine Menge Nilpferde und Antilopen, die an den See zum Trinken kommen. Wir müssen alle Schwimmwesten tragen, vielleicht macht das sogar Sinn, denken wir uns, als wir ein Nilpferd mit weit geöffnetem Maul drohen sehen. Die Fahrt ist ein tolles Erlebnis und gut zum Fotografieren geeignet, da wir mit diesem kleinen Boot sehr viel näher an die Tiere herankommen als vor ein paar Tagen am Kazinga-Kanal. Am Bootsanlegeplatz sind mal wieder Paviane unterwegs. Sie profitieren wohl von den Touristen, die hier campen, sind frech und wie die meisten Exemplare dieser Affenart wenig scheu. Nach diesem schönen Bootsausflug steht noch eine Pirschfahrt mit dem Auto auf dem Programm. Die Sonne geht schon langsam unter und taucht alles in ein warmes orangefarbenes Licht. Wir sehen zwar die gleichen Tiere wie morgens, aber bei dieser stimmungsvollen Atmosphäre wirkt alles noch ein wenig fotogener. Als es schon fast dunkel ist, kehren wir zum Camp zurück und gehen gleich zum Abendessen. Heute ist außer uns noch eine größere Reisegruppe da. Um 23.00 Uhr liegen wir schon in den Betten. Licht gibt's sowieso keines mehr.

13. Tag - Fahrt nach Kampala

Godfried weckt uns um 7.30 Uhr, da wir für diese Uhrzeit eine Dusche bestellt haben. Danach packen wir unsere Siebensachen so zusammen, dass das Gepäck flugtauglich ist, das dauert eine Weile. Nach dem Frühstück kommt Ivan, die Taschen werden ein letztes Mal auf das Dach des Autos geschnürt. Gegen 10.00 Uhr verlassen wir das Camp, eine Fahrt von ca. 5 Stunden liegt vor uns. Mittags erreichen wir den Äquator und es fängt an in Strömen zu regnen. An diesem Äquatorübergang gibt es eine Menge Souvenirshops und ein Café, in dem sogar Cappuccino angeboten wird. Man merkt, dass der Tourismus in Uganda zunimmt. In den Souvenirläden werden sehr geschmackvolle Sachen verkauft, die teilweise in Werkstätten neben den kleinen Geschäften hergestellt werden, man kann dort den Handwerkern zum Beispiel bei der Herstellung von Papier zusehen. Nach einer längeren Pause geht es weiter Richtung Kampala und die Sonne kommt auch wieder heraus.

Um 14.30 erreichen wir das Büro von Churchill-Safaris in Kampala. Der Nachmittag zieht sich hin, da die Chefin, mit der wir reden möchten auf sich warten lässt. Das Gespräch, in dem es natürlich um die nicht vorhandenen Gorilla-Permits geht, erweist sich als ziemlich unergiebig. Wir erreichen nur, dass wir die Vorkommnisse schriftlich bestätigt bekommen. Den Rest müssen wir wohl mit unserem Vertragspartner Colibri in Deutschland regeln. Danach bringt uns Ivan zum Flughafen nach Entebbe. Jetzt heißt es Abschied nehmen ... SCHADE ... Ivan war ein perfekter Führer, er hat uns seine Heimat wirklich nahe gebracht. Um 22.40 Uhr startet unsere Maschine nach Brüssel. Die Nacht im Flugzeugsitz ist erwartungsgemäß sehr unbequem und dementsprechend wenig schlafen wir.

14. Tag - Ankunft zu Hause

Morgens bekommen wir noch einen wunderbaren Sonnenaufgang zu Gesicht, um 6.00 Uhr landet das Flugzeug in Brüssel. Nach kurzer Wartezeit geht es weiter Richtung Frankfurt, dort angekommen, vergehen bis zur Abfahrt unseres Zuges noch 1,5 Stunden. Nach mehr als 30 Stunden ohne richtigen Schlaf sind wir froh, als unser Zug um 14.30 Uhr im Bahnhof Beratzhausen einfährt, wo wir schon von der weltbesten Haus-, Hof- und Hundesitterin, meiner Mama, erwartet werden.

 

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